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Ihre Hundegeschichte: Billy – Rettung aus der Isolation


Ich möchte Ihnen heute eine Hundegeschichte erzählen. Die Geschichte handelt von Billy, einem Husky- Lovacki-Jagdhund.

Seine Pflegestelle wandte sich vor ein paar Monaten an mich, da sie Rat im Umgang mit Billy suchte. Die Frau lebt seit 10 Jahren in Kroatien und berichtete in ihrer ersten Email, dass der Umgang mit Hunden in Kroatien katastrophal sei und es ihr deshalb dort sehr schwer fällt, Billy einen artgerechten Alltag zu bieten. Billy lebte erst seit Kurzem bei ihr und bevor er bei ihr einzog, verbrachte er 3 lange Monate in völliger Isolation in einem Zwinger eines kroatischen Tierarztes.

„Ich überlege schwer, was ich tun kann, dass dem hiesigen Tierarzt ein Riegel vorgeschoben wird, Hunde in totaler Isolation zu halten, noch dazu auf höchsten 3 – 4 qm in einem ewig verdreckten Zwinger. Als Boden hat er Paletten dort, den Kot fegt er einfach zwischen die Spalten, man kann sich vorstellen, wie es darunter aussieht, noch dazu bei dieser Hitze…“ „Billy kam dorthin, weil er ein “Angstbeißer” gewesen sein soll. Er saß zitternd dort in seinem Kunststoffkorb und hat sich selbst bepinkelt. Ich habe schnell herausgefunden, dass ich Desinteresse vortäuschen muss, um sein Vertrauen langsam zu gewinnen. Also hab ich mich rund um den Zwinger irgendwie betätigt, so ging es langsam bergauf. Um ihn umzuquartieren, mussten wir ihn tragen…er ging keinen Schritt!“

In Zusammenarbeit mit dem Verein Hand und Pfote e.V. hat seine Pflegestelle bereits ein paar Hunde in gute Hände vermittelt und steht mit ihrem Besitzern immer noch im Kontakt. Sie sagt: „Für jeden dieser 4-Beiner war es die Erlösung, Kroatien zu verlassen.“

Billy ist ca. 2 Jahre alt, eigentlich sehr freundlich zu Frauen, Kindern und anderen Hunden, die er grundsätzlich zum Spielen animiert. Er ist Streuner gewesen, hat sich aus dem Müllcontainer ernährt und ein paar Frauen haben ihn gefüttert. Männern gegenüber ist sehr vorsichtig. Nach und nach fasste er Vertrauen und alles entwickelte sich gut. Das einzige Problem war, dass er keine Fahrräder, Mopeds usw. mochte.

Die Pflegestelle:„Er rastet dann total aus und versucht die Fahrer ins Bein zu beißen. Ich lasse ihn also nur da laufen, wo ich sicher bin, dass uns diese nicht begegnen. Was kann ich tun?“

HundetrainerBlog:„Grundsätzlich ist es schon mal richtig, dass Sie diesen Situationen erstmal aus dem Weg gehen. Ihr Hund würde nur immer mehr die Erfahrung machen, dass seine Angst berechtigt ist. Jeder Radfahrer, der an ihm vorbeifährt wenn er bellt ist einer, den er denkt durch sein Bellen vertrieben zu haben. Vielleicht sollten Sie Ihren Hund als ersten Schritt an einen gut sitzenden Maulkorb gewöhnen. Keinen aus Nylon, darin können die Hunde nicht hecheln, sondern einen aus Kunststoff, wo dies möglich ist. Nehmen Sie sich viel Zeit mit der Gewöhnung. Nur wenn Ihr Hund diesen nicht mehr als Fremdkörper ansieht ist ein Training möglich. Der Maulskorb wäre einfach nur ein Schutz für die anderen Personen, die während des Trainings Ihren Weg kreuzen. Wissen Sie, wie Sie Ihren Hund an einen Maulkorb gewöhnen? Mit einem Leckerli hinein locken, Leckerlie geben, Maulkorb wieder runter. Ganz kleine Schritte sind sehr wichtig und nehmen Sie sich ungefähr eine bis zwei Wochen Zeit dafür.

Wie reagiert Ihr Hund auf Leckerlis?

Haben Sie Erfahrung mit dem Clicker? Die Idee wäre, Ihren Hund immer dann zu clicken und zu belohnen wenn er ruhig ist. Sie beginnen mit einer sehr großen Entfernung. Dort, wo Ihr Hund noch nicht auf die Räder reagiert. Tasten Sie sich immer näher an die “Bestien” heran und belohnen Sie ihren Hund immer wenn er nicht bellt und ruhig ist! Der Clicker wäre eine gute Idee, weil er sehr präzise ist und dem Hundehalter Sicherheit beim Training gibt. Gehen Sie nie zu weit und beenden Sie das Training immer mit der Erfahrung, nicht gebellt zu haben. Schaut er den Radfahrer (oder etwas anderes was ihm Angst bereitet) an, clicken Sie bereits bevor er bellen kann! So markieren Sie den Moment, in der Ihr Hund das Rad angesehen hat, positiv und er lernt, das Objekt positiv zu verknüpfen. Sollte er doch einmal bellen und Sie vielleicht einen klitzekleinen Moment zu langsam gewesen sein, drehen Sie in die entgegengesetzte Richtung um und versuchen es noch einmal wenn er sich wieder beruhigt hat. Üben Sie nie zu lange am Stück. Jeweils 10 Minuten gutes Training sind viel wert! Überfordert kann der Hund nicht richtig lernen.

Die Pflegestelle: „vielen Dank für ihre ausführliche Antwort ! Einen Maulkorb bekomme ich nur in der nächsten Großstadt, da dieser eben gut sitzen muss, müsste ich den Hund mitnehmen, doch derzeit zeigt mein Thermometer 34° C im Schatten an. Das muss ich also verschieben. Leckerlis sind ein Problem, da er sie immer ausspuckt! Habe jetzt aber einen Tipp bekommen: als Belohnung gibts Pastete aus der Tube!

Immer wenn ich später mit ihm spazieren ging, machte ich Schnaltzgeräusche mit der Zunge, um ihm zu signalisieren: Ich bin hier, bei dir, keine Angst…….und wenn er “brav” war, gabs ein lautes BRAVO……das mach ich bis heute so. Sehe ich den Radfahrer früh genug, sag ich: nein, nein und wieder die Schnaltzgeräusche, dann passiert nichts! Aber nicht immer sieht oder hört man die Radfahrer. Inzwischen hab ich mir den Clicker mitbringen lassen. Ich würde Billy gern dazu bringen, dass er ganz entspannt bei Fuß geht……ich weiß nicht, ob dies überhaupt möglich sein wird. Ich meine seine Fortschritte lassen sich sehen, doch manchmal erleide ich auch Rückschläge. Anfangs hörte er auf “Komm”, jetzt macht er das nur ab und zu, doch ich lege großen Wert darauf, dass er kommt, wenn es sein muss, das ist einfach wichtig! Vielleicht könnten sie mir dazu noch einen Rat geben!“

HundetrainerBlog: „Ja diese Tuben sind gut, Sie können sonst auch ausnahmsweise Leberwurst verwenden. Einen Maulkorb würde ich bei der nächsten Gelegenheit versuchen zu besorgen, rein aus Sicherheitsgründen.

Versuchen Sie es nur mit Schnalzen, was ja den gleichen Effekt hat wie ein Clicker. Belohnen Sie ihn in der Sekunde, wo er ruhig ist und nicht bellt. Dann brauchen Sie nicht Nein sagen, können auf etwas Negatives im Training verzichten und lieber gleich belohnen und den Radfahrer positiv besetzen!

Warum soll er bei Fuß gehen? Oder meinen Sie entspanntes Gehen an der Leine? Bei Fuß gehen über längere Strecken ist stressig und anstrengend für Hunde. Deshalb arbeiten Sie lieber daran, dass sie ihn durch Geräusche aufmerksam machen und in dem Moment, wo er Sie anschaut eine dicke Belohnung geben. So lernt er, dass es sich lohnt, Sie anzuschauen und automatisch wird die Leine lockerer. Dann belohnen Sie die lockere Leine und so weiter. So wird er aufmerksamer werden und das Spazierengehen an der Leine entspannter. Hat er ausreichend Freilauf? Das ist natürlich Voraussetzung für das Training an der Leine. Lesen Sie hier mehr zum Thema Rufwort

Die Pflegestelle: „vielen dank für ihre ausführliche Mail, leider wird Billy langsam zu einem Problem. Zuerst möchte ich vorausschicken, dass Billy sehr viel Freilauf genießt. Morgens um 8:00 und nachmittags gegen 17:00, gehe ich mit ihm zu einem einsamen Strand, ich muss genau an NUR 2 Häusern vorbei, dann über einen Parkplatz. Er ist also maximal 10 Minuten angeleint, dann gehts los. Vorher muss ich mich allerdings vergewissern, dass ich mit ihm dort auch allein bin! Mindestens 1 geschlagene Stunde, manchmal auch mehr, kann er dort rumstromern, über die Felsen springen, schwimmen oder in den Wald laufen, welcher Hund hat das schon. Natürlich übe ich auch ein wenig. Er macht auf Kommando “Sitz” und kommt “bei Fuß”, oder hört den Pfiff. Doch wenn es drauf ankommt und Leute kommen, funktioniert es nicht, meistens nicht, und das wäre ja in seinem Fall besonders wichtig. Zuletzt gehe ich noch einmal gegen 21:00 raus, im Dunkeln allerdings ist alles noch viel schlimmer!

Als ich im Winter begann, mich um ihn zu kümmern, war alles so easy, er ging ohne Probleme an der Leine, ich konnte ihn laufen lassen, ungeachtet ob da Leute oder Hunde kamen. Alles wurde erst mal freudig begrüßt und mit seinesgleichen hat er immer gern gespielt. Zu dieser Zeit war er noch bei Bekannten in einem Doppelzwinger mit Hütte untergebracht, nebenan war eine Hündin untergebracht. Mehrere Leute kümmerten sich um ihn, genau gesagt, ich und zwei weitere Frauen und ein kleines Mädchen, 5 Jahre, war auch dabei. Das kleine Mädchen kann bis zum heutigen Tag alles mit ihm “veranstalten” und auch meine beiden Bekannten hat er ins Herz geschlossen, doch seit dem er bei mir ist, macht er immer mehr die Leute an, der gesamte Strand ist SEINS. Wehe es nähert sich jemand, ich bin nur froh, dass er noch nicht zugebissen hat, das wäre hier für mich als Ausländerin fatal. Auf dem Parkplatz verbellt er die Leute, die ein- und aussteigen oder sich am Kofferraum zu schaffen machen, steht auf den Hinterläufen und bellt und grollt derart, dass jeder Angst kriegt! Wie ich rausbekommen habe steckt in ihm ein “Tornjak”, ein kroatischer Hütehund. Am Strand liegt er immer auf einem Felsen und lässt sein Blick in die Ferne schweifen, und wehe er sieht da einen Punkt in 1 km Entfernung! Dann brauch ich weder pfeifen noch rufen.

Er hat immer seinen Zwinger mit Hütte geliebt, darum hat er das bei mir jetzt auch, direkt am Haus.

Der Hund hat ständig unter Stress gelebt, ist mit Steinen und Stöcken beschmissen worden. Ich denke, darum liebt er den Zwinger samt Hütte als einen Ort der Sicherheit. Anfangs habe ich ihn überall mitgenommen, Cafe geht noch so gerade, aber durch die Stadt zu gehen ist für ihn und für mich Stress pur, das habe ich mir abgeschminkt, bin ich eingeladen und nehme ihn mit, ist er die ganze Zeit angespannt und will wieder nach Hause, wo er dann schnurstracks in seiner Hütte verschwindet.

Ganz vergessen, neulich hatte die Kleine ihn an der Leine, natürlich nur im eigenen Garten, ihr Vater arbeitete dort an einer Betonmischmaschine. Im Vorbeigehen wollte er mal kurz zuschnappen. Ich weiß jetzt einfach nicht mehr weiter….“

Ich merkte, dass seine Pflegestelle nicht mehr weiter wusste und ihr die fehlende Toleranz in Kroatien gegenüber Hunden mehr und mehr zu schaffen machte. Doch hat Billys Geschichte ein Happy End! Seine Pflegestelle konnte Billy an eine Familie in Österreich vermitteln, die sich bereits seit Januar auf ihn freuen. Auf Grund eines Umzuges wollte die Familie gern, dass Billy direkt mit ihnen ins neue Heim zieht, statt ihm zusätzlich noch eine Ortsveränderung zuzumuten. Nun lebt Billy in Österreich mit einer Mixhündin zusammen, mit der er den ganzen Tag spielt. Dort gibt es einen eingezäunten Garten von 2.000 qm und die zwei können viel miteinander toben. „Die neuen Besitzer sind absolute Hundefreaks. Zitat: Unser Traum ist es, mit und für die Hunde zu leben!“

Billys Pflegestelle ist noch immer traurig, sieht aber, dass Billy dort die besseren Bedingungen zum Leben findet. Der Hauptgrund, der das Leben mit Billy in Kroatien erschwert waren ihre Nachbarn. Sie war immer unter Stress und konnte Billy zuhause nur im Zwinger oder auf der Terrasse an der Leine halten, da sie ständig befürchtete, dass mal etwas Ungenießbares im Zwinger landet. Trotz endloser Spaziergänge wurde er bei ihr in Kroatien immer aggressiver. Heute ist sich seine Pflegestelle sicher, dass es die Umgebung war und ihre Ängste, die Billy natürlich gespürt hat. Wenn jemand in ihre Nähe kam, hat Billy angeschlagen und viele haben sich später bei ihr beschwert. Sie vermutet, dass er zum Teil Herdenschutzhund ist und ihm somit das Beschützen natürlich im Blut liegt.

Billys Happy End

„Ich habe mich, bis ich bei den neuen Besitzern war, nicht entscheiden können, ob ich Billy nicht wieder mitnehme, doch ich war keine 5 Minuten dort auf dem Hof, da wusste ich, dies ist ein Paradies für ihn! Die Leute waren sehr unkompliziert und ich konnte dort noch 3 Tage wohnen, hab mir alles angeschaut. Das alles dort kann ich ihm hier nicht bieten. Das Paar besucht jedes Hundeseminar, das sie ergattern können… Sie sind super glücklich mit Billy und wollen ihn nicht mehr hergeben.“

„Ich bin ständig in Kontakt mit Billys neuen Besitzern. Es hilft mir sehr, darüber hinweg zu kommen. Sie sind unendlich lieb und geduldig mit ihm und natürlich wollen sie auch viel mit ihm arbeiten, was Billy Spaß machen wird. Ich hatte ihm schon Apportieren und “Sitz ” uns ” Steh” beigebracht, er ist schlau. Er macht das nur, was Sinn macht, was, wie ich gelesen habe, typisch sein soll für Herdenschutzhunde. Bei den neuen Besitzern gab es ein Problem mit Kindern, die Billy erst mal aus sicherer Entfernung hinterm Zaun unentwegt anschauten. Mittlerweile wissen wir, dass er durch solch ein Verhalten Schlimmes wittert. Ein anderer Junge hat einen guten Draht, es klappt alles wunderbar.“

„Übrigens hatte ich 3 Tage nach ihren Anweisungen, bestimmte Situationen mit Positivem zu verknüpfen, schon einen riesen Erfolg! Danach genügte ruhiges Zureden, wobei ich ihn dann aber noch am Halsband festhielt, aber er blieb ruhig! Ich hab sein Verhalten für mich auf einen Nenner gebracht: Bis zum Januar dieses Jahres war der Hund ständig unter Stress und nur mit Verteidigung beschäftigt. Fazit: er ist hoch sensibel was Sympathie und Antipathie betrifft. Wer ihm wohl gesonnen ist und wer nicht. Es hat nichts Spezielles mit Männern, Frauen, Kindern usw. zu tun. Wo er Negatives wittert wird er angriffslustig, was man verstehen kann. Und sicher ist er noch nicht komplett über den Berg. Ich habe den Leuten gesagt, dass das Wichtigste ist, dem Hund Sicherheit zu vermitteln! Ich bin ja kein Hundetrainer, aber ich denke ich liege nicht ganz falsch.“

Die neuen Besitzer haben Billy bereits in ihren Alltag integriert und sagen: „Billy ist ja so ein Knuddelbär. Abends und morgens wird im Bett geschmust. Er hat noch kein richtiges Gefühl dafür, wie er mit uns kuscheln soll. Er stupst uns einfach aus dem Schlaf und legt sich mit Begeisterung auf uns rauf – ohne Rücksicht auf Verluste, einfach genial…“

Schrecksekunde im neuen Heim

„Freitagmorgen um 8 uhr, Billy und Mina waren im Garten und ich hab gerade im Haus gearbeitet. Dann höre ich ein lautes Gebell. Ich bin rausgelaufen und da war unser Gartentor komplett offen und die Hunde auf der Strasse. Ich dachte mein Herz bleibt stehen! Zum Glück sind beide sofort rein gekommen.“ Jemand hatte das Tor offen gelassen. Billy und Mina waren beim Nachbarn und haben deren Katze gejagt. „Ab sofort gibt es nur noch ein abgesperrtes Tor!“.

Billys Geschichte ist auf jeden Fall eine mit Happy End! Doch sie zeigt leider auch, dass der respektvolle Umgang mit Hunden nicht selbstverständlich ist und viele Hunde noch unter unzumutbaren Umständen leben müssen.

Vielen Dank an Billys Pflegestelle für ihren Einsatz! Billy und seiner neuen Familie wünsche ich einen tollen Start und ganz viele wunderschöne Jahre gemeinsam!

 

Über Nina Adebahr

Ich habe ein Herz für Hunde, bin nebenberuflich ausgebildete Hundetrainerin und Vollzeit-Hundemama aus Leidenschaft für meine 10 Jahre alte Magyar Viszla Hündin. Mein Ziel ist es, zwischen Mensch und Hund zu vermitteln – für ein harmonisches, respektvolles Miteinander und für mehr Verständnis für unsere Vierbeiner. Liebe Grüße, Ihre Nina Adebahr

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