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Teletakt – leider immer noch Realität in der Hundeerziehung


Leider wird zum Thema Teletakt-Geräte viel zu viel Werbung gemacht. Viele Hundetrainer „empfehlen“ noch heute dieses Reizstromgerät, was das Thema Jagdtrieb und andere unerwünschte Verhaltensweisen im nu erledigen soll. Doch weiß jeder, welche Auswirkungen „ein kleiner Stromschlag“ auf den Hund haben kann?

Der Teletakt, auch Ferntrainer, Teleimpulsgerät oder Elektrohalsband genannt, ist ein Halsband mit einem eingebauten Empfänger mit einem Impulsgenerator. Dieser Generator kann nach Auslösen elektrische Impulse in unterschiedlicher Stärke abgeben. Den Sender dafür trägt der Halter bei sich und kann durch drücken eines Knopfes den Teletakt auslösen. Der Hund erfährt dann einen Stromschlag am Hals. 

Bevor ich weiter auf die Auswirkungen eines Stromschlages eingehe, möchte ich hier kurz einen Auszug aus dem Tierschutzgesetz aufführen.

§1 des Tierschutzgesetzes „… niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

§3 5. Es ist verboten „… ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind.”

11. ,… ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt,…“

Wenn man diese Paragraphen liest, wird deutlich, dass es nicht klar besagt, was verboten ist und was nicht. Wer kann wirklich einschätzen, was „erhebliche“ Schmerzen für den Hund bedeuten? Wer könnte beim Menschen beurteilen, ab wann es sich um erhebliche Schmerzen handelt?

Fakt ist, dass es dem Hund Schmerz bereitet. Auch wenn man den Teletakt auf kleinste Stufe einstellt, ist doch ein merklicher Reiz zu spüren. Verfechter würden nun sagen, dass das ja genau gewünscht ist! Der Hund soll ja merken, was er falsch macht! Tja, doch ich würde einen anderen Ansatz wagen. Warum macht der Hund die Dinge, die er tut und die wir als „unerwünscht“ betrachten? Haben wir bei dem täglichen Spaziergang etwa vergessen, dass wir einen ursprünglichen Jäger an unserer Seite haben? Und warum maßen sich manche Hundebesitzer an, zu denken, dass ein einfacher Spaziergang um den Block ausreicht um dieses, fest in den hundlichen Genen verankerte Jagdverhalten zu stoppen? Und warum wollen manche dieses Verhalten stoppen? Warum nicht umlenken? Warum dem Hund nicht Alternativen bieten? Warum würden einige eher zu Reizstromgeräten greifen und ihrem Hund Schmerzen zufügen, anstatt sich mit ihrem Hund zu beschäftigen und ihn artgerecht auszulasten? Jeder Hund ist ein Jäger… die einen mehr, die anderen weniger. Ich höre oft von Hundebesitzern, dass sie ihrem Hund gar nicht erst eine Alternative zum Jagen bieten möchten, damit er gar nicht erst auf den Geschmack kommt. Das ist Unsinn! Ein Hund der unerwünscht jagt, braucht Alternativen, damit sein Jagdtrieb ausgelastet ist und damit der Besitzer diesen Jagdtrieb unter Kontrolle hat.

Es gibt viele Möglichkeiten diese Auslastung für den Hund zu schaffen… Dummyarbeit, Suchspiele, Fährtenarbeit, Mantrailing,… aber auch Tricks und anderer Hundesport der das Köpfchen unsere Hundes fordert sind geeignet!

Neben dieser Auslastung muss man ein „Notstopp“ trainieren, welches man im Notfall, wenn der Hund doch ansetzt zum Jagen, einsetzen kann, um den Hund vor dem Ansetzen zum Jagen zu stoppen. Das kann ein sauber konditioniertes Platz sein. Es kann ein gut konditioniertes Rückrufsignal sein. Es kann das Spiel mit dem Menschen beim Anblick von Wild sein. Es gibt viele Möglichkeiten, die funktionieren, ohne Teletakt! Nur werden diese Methoden länger dauern! Es ist keine Ruck-Zuck-Methode die Wunderheilung über Nacht verspricht. Es ist eine Methode, die Ihrem Hund keine Schmerzen und kein Unwohlsein zufügt. Es ist eine saubere Methode, die dem Vierbeiner den Respekt und das Verständnis schenkt, die er verdient.

Jagen ist selbstbelohnend. Beim Jagen wird Adrenalin ausgeschüttet. Dazu muss es gar nicht zum Beute fangen kommen! Alleine das Hinterherjagen ist für den Hund Belohnung genug!

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Teletakt zu spät auslöst, oder zu früh und dass der Hund die Strafe in einem völlig falschen Moment erhält. Wer möchte wirklich dieses Risiko eingehen und „es einfach mal probieren“?

Jeder sollte Geräte, die einem Lebewesen Schmerzen zufügen ablehnen und hinterfragen! Hinterfragen Sie das Warum! Und suchen Sie mit einem kompetenten Hundetrainer Alternativen zu dieses „Hilfsmitteln“!

Über Nina Adebahr

Ich habe ein Herz für Hunde, bin nebenberuflich ausgebildete Hundetrainerin und Vollzeit-Hundemama aus Leidenschaft für meine 10 Jahre alte Magyar Viszla Hündin. Mein Ziel ist es, zwischen Mensch und Hund zu vermitteln – für ein harmonisches, respektvolles Miteinander und für mehr Verständnis für unsere Vierbeiner. Liebe Grüße, Ihre Nina Adebahr

Ein Kommentar

  1. Elektroreizgeräte sind in Deutschland verboten | Haustiere Berlin sagt:

    [...] Artikel im Netz zum Thema: Verband für das Deutsche Hundewesen – Pressemitteilung + ÖJV Blog – Telereizgeräte – Ein Reizthema + TierarztBLOG.com – Jäger wegen Tierquälerei angezeigt + hundetrainerblog.de – Teletakt – leider immer noch Realität in der Hundeerziehung [...]

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